Programm "Wie ein gläsernes Meer mit Feuer gemischt"


Dieter Schnebel (*1930) Lamento di Guerra für Mezzosopran und Orgel (1991)

Christian Kram (*1968) "Fanal de l'ombre" für Orgel solo (2009/2010)

Stephan Adam (*1954) „Wohin Du horchst“ für Mezzosopran und Orgel (2017)

Michael Radulescu (*1941) Vier alttestamentliche Gebete für Alt und Orgel (1979)

Adriana Hölszky (*1953) "Und ich sah ein gläserenes Meer, mit Feuer gemischt..." für Orgel solo (1996/1997)

Sofia Gubaidulina (*1931) Aus den Visionen der Hildegard von Bingen für Alt Solo (1994)

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Texte:


Dieter Schnebel - Lamento di guerra

Ach Gott im Himmel sieh darein- Erbarm dich lieber Herre Gott- Vor Krieg und großem Schrecken- Gib uns Frieden, gib und deinen Frieden- Friedensgebet der Hl. Franziskus


Stephan Adam - "Wohin du horchst"

-EXAUDI ME-

Im Winter
Als meine Freunde, Die Bäume, noch blühten, Rosen und Feuer- Lilien glühten, Waren die Menschen All mir bekannt, War mir die Erde Lieb und verwandt. Jetzt, wo die Freunde, Die Bäume, gestorben, Jetzt, wo die Lieben, Die Blumen, verdorben, Stehen die Menschen Kalt auf dem Schnee, Und was sie treiben, Macht mir nur weh.
(Justinus Kerner)

-EXAUDI ME-

Der Herr behütet dich; der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.
Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele;
der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.
(Psalm 121,5-8)

-EXAUDI ME-

Wohin du horchst, vernimmst du den Hilferuf
der Noth. Wohin du blickest, erschrecken dich
gerungene Hände, bleiche Lippen,
welche de Todes Beschwörung murmeln
Wohin du helfend schreitest, versinkt dein Fuss im Koth der Lügen. Selbstsichrer Dummheit vollschreit dort ein Protz nach Ordnung, ihm ja füllte der gütige Gott den Fleischtopf.
Wann naht der Gott, im Sturme fahrend,
der die verpesteten Lüfte reinigt?
Wo blitzt ein Lichtstrahl kommenden Morgenroths
an diesem nachtbelasteten Horizont?
(O. E. Hartleben)

-EXAUDI ME-


M. Radulescu - Vier alttestamentliche Gebete

Psalm 88,1-3
Herr, du Gott meines Heils, zu dir schreie ich am Tag und bei Nacht. Lass dringen mein gebet zu dir, wende dein Ohr meinem Flehen zu! Denn meine Seele ist gesättigt mit Leid, mein Leben ist dem Totenreich nahe!
Klagelieder 5, 21-22
Kehre uns, Herr, zu dir, dass wir umkehren können, erneure unsrere Tage, dass sie werden wie früher! Oder hast du uns denn ganz verworfen, zürnets du uns unerbittlich?
Habakuk 3,2
Herr, Ich höre die Kunde, ich sehe, Herr, was du früher getan hast. Lass es in diesen Jahren wieder geschehen, offenbare es in diesen Jahren, Herr! Wenn du auch zürnct, denke an dein Erbarmen.
Baruch 3,1-3
Herr, allmächtiger Gott Israels! Eine Seele in Ängsten, ein Geist voll Kummer schreit zu dir. Höre, Herr, erbarme dich, da wir gegen dich gesündigt haben! Du thronst in Ewigkeit; uns aber droht ewge Vernichtung



S. Gubaidulina - Aus den Visionen der Hildegard von Bingen

Gott, der alles durch Seinen Willen ins Dasein rief,
hat es erschaffen, damit Sein Name erkannt und verehrt werde.
Nicht nur das Sichtbare und Vergängliche tut Er damit kund
sondern offenbart darin auch das Unsichtbare und Ewige.
Darauf weist das Gesicht hin das du schaust.